Wie läuft so ein Projekt in der Praxis ab?

 

 

Wir wollen wichtige Aspekte beispielhaft anhand eines Projekts darstellen, das wir mit einem kleinen Unternehmen aus der Elektrobranche durchgeführt haben.

 

Die Ausgangssituation

 

Ein befreundeter IT-Dienstleister hatte uns gebeten ihn zu einem seiner Kunden zu begleiten. Nennen wir das Unternehmen aus Datenschutzgründen einfach ET.

 

Thema sollte sein: Finanzierung eines umfassenden Digitalilsierungsangebots unter Nutzung von Fördermitteln. Was sich im Vorfeld als eine reine Frage der Finanzierung darstellte, entpuppte sich dann im Gespräch doch als weit vielschichtiger. Aber der Reihe nach.

 

 

ET wurde vor knapp 70 Jahren von den Vätern der jetzigen beiden geschäftsführenden Gesellschafter gegründet. Die beiden Geschäftsführer sind Cousins und verstehen sich sehr gut. Man beschäftigt etwa 40 Mitarbeiter und betreibt eine kleine Produktion von Elektronikartikeln, insbesondere von Transformatoren.

 

ET hatte mit vier Hauptproblemen zu kämpfen:

1. Mit dem Mangel an Fachkräften und mit einer unausgeglichenen Altersstruktur der Mitarbeiter.

2. Obwohl man in kleinen Nischenmärkten tätig war, nahm der Wettbewerb immer weiter zu, vor allem auch wegen einer erhöhten Markttransparenz, die durch Internetangebote asiatischer und osteuropäischer Anbieter  gegeben war.

3. Die beiden geschäftsführenden Gesellschafter hatten mit 67 und 68 Jahren beide schon das Renteneintrittsalter überschritten. In der Familie und im Unternehmen waren keine geeigneten Nachfolger in Sicht. Einzelne Kontakte mit potenziellen Interessenten waren ergebnislos verlaufen.

4. Es fehlte an Innovationen wie Modernisierung der Prozesse oder die Anschaffung neuer Maschinentechnologien, und es fehlte an Produktinnovationen.

 

Aufgrund der geschilderten Gesamtsituation und der unsicheren Zukunftsaussichten wurden in den vergangenen Jahren Investitionen unterlassen. Man versuchte durch äußerste Sparsamkeit zu überleben. Dies wiederum reduzierte die Wettbewerbsfähigkeit und die Attraktivität - ein Kreislauf nach unten drohte.

 

Noch waren die Finanzen des Unternehmens geordnet. Aber die Gesellschafter fragten sich - auch wegen ihres fortgeschrittenen Alters - ob man einen gangbaren Weg finden würde, das Unternehmen wieder auf eine längerfristig aussichtsreiche Erfolgsspur zu bringen oder ob man sich geordnet zurückzieht und letztendlich schließen muss, weil keine Nachfolgelösung gefunden wird.

 

Eine typische Aufgabe zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens!

 

Zielfelder

 

Entsprechend des ZIEL-Vorgehensmodells wurden zunächst die Zielfelder erarbeitet. Dies erfolgte in den vier Schritten

- Erstellung einer Stakeholder-Map

- Erarbeitung von Zukunftsprojektionen und Szenarien

- Analyse der pains und gains der ausgewählten Stakeholder und der Aufgaben (jobs to be done)

- Ableitung der Zielfelder aus den ersten drei Schritten

 

 

Im Ergebnis dieser ersten Phase wurden drei Zielfelder für die vertiefte Bearbeitung in den folgenden Schritten definiert und ausgewählt.

 

 

     1. Wie können wir für potenzielle Nachfolger attraktiv werden?

     2. Wie können wir junge qualifizierte Fachkräfte für unser Unternehmen begeistern?

     3. Wie können wir neue Kunden im Wachstumsmarkt Elektromobilität gewinnen?

 

 

Ideengenerierung

 

Für die wichtigsten Zielfelder (Herausforderungen) wurden im nächsten Schritt mit Methoden des Design Thinkings Ideen generiert. Bei dieser Methode läuft der Prozess iterativ in mehreren Schleifen ab, so dass man von allgemeinen Zielen und Lösungsideen zu immer spezifischeren und detaillierteren Ideen vorstößt.

 

Auf diese Weise wurden eine Reihe von interessanten Ideen generiert, durch die das Unternehmen ET als modern und fortschrittlich von den Stakeholdern wahrgenommen werden konnte und die Antworten auf die drei ausgewählten Herausforderungen geben konnten. Da nur eine begrenzte Zahl von Ideen umsetzbar ist, folgte im nächsten Schritt die Bewertung der Ergebnisse.

 

 

Ergebnisse testen und bewerten

 

Es kam den Zielsetzungen der Inhaber entgegen, dass die interessantesten Ergebnisse des Ideen-Workshops durch kostengünstige einfachste Prototypen getestet wurden, wie es bei der Methode des Design Thinkings üblich ist.

 

Ziel dabei ist, sicherzustellen, dass die Betroffenen - also insbesondere die Mitarbeiter bei den Prozessinnovationen und bisherige Nichtkunden bei der Produktinnovation - die Lösungsideen auch gut annehmen werden. Auf diese Weise können teure Fehlinvestitionen vermieden  werden.

 

Erst, als diese erste Hürde genommen war, wurden die verbliebenen Lösungsideen nach dem rechts abgebildeten PEST-Schema geprüft.

 

Ausgewählt für die unmittelbare Umsetzung wurden schließlich Ideen zur Digitalisierung des Unternehmens und eine Produktinnovation im Bereich Elektromobilität.

 

 

Lösungsideen umsetzen

 

Die Umsetzung der Lösungsideen erfolgte durch eine Bearbeitung als Projekt in Kooperation mit dem IT-Dienstleister für die Digitalisierungsbereiche und durch ein gefördertes Innovationsprojekt für die Produktinnovation in Kooperation mit einem Forschungsinstitut einer Universität, welche das fehlende Know-how und zusätzliche Manpower und eine Reihe von Prüf- und Testmöglichkeiten beitrugen.

 

 

Der Nutzen für ET

 

  • Durch beide Innovationsprojekte wurde bei den eigenen Mitarbeitern eine Aufbruchstimmung erzeugt.
  • Zwei Mitarbeiter konnten im Bekannten- bzw. Verwandtenkreis durch positive Mundwerbung neue Nachwuchskräfte für das Unternehmen begeistern: Einen Azubi im Technikbereich und einen jungen Hochschulabgänger für die IT-Abteilung.
  • Die Projektkooperation mit dem Forschungsinstitut erzeugte Lerneffekte, zum Beispiel zum Thema professionelle Projektbearbeitung.
  • Am Projekt arbeiteten vor allem Mitarbeiter mittleren und jüngeren Alters mit. Diese Mitarbeiter empfanden ihre Arbeit als bereichernd, ihre Zufriedenheit erhöhte sich entsprechend.
  • Das Unternehmen hatte nach Abschluss der Projekte verbesserte (und kostengünstigere) Prozesse sowie ein patentiertes Produkt mit Alleinstellungsmerkmalen im Markt.
  • ET erhielt Fördermittel
    • 2 x 10 TEUR für die Verwaltungsgesellschaft und den gleichen Betrag für die Produktionsgesellschaft als Digitalbonus
    • 172 TEUR Zuschuss für die Produktentwicklung
    • 15 TEUR bei der Markteinführung für technische Beschreibungen
    • insgesamt also 227 TEUR

 

  • Die Leistungen des Forschungsinstituts wurden zu 100% gefördert. Im Rahmen einer Lizenzvereinbarung mit einer Lizenzgebühr von 3% auf die getätigten Umsätze partizipierte auch das Forschungsinstitut an der erfolgreichen Umsetzung des Projekts.
  • ET konnte bei der Markteinführung und der anschließenden Werbung sowohl mit dem Logo des Bundeswirtschaftsministeriums (gefördert durch...) als auch mit dem bekannten Forschungsinstitut als Partner werben, was das Vertrauen in das innovative Produkt erhöhte und dessen Vermarktung erleichterte.
  • Der Projektleiter des Forschungsinstituts, der mit diesem Projekt seine Dissertation erstellte, hatte genügend Zeit (das Projekt lief zwei Jahre), das Unternehmen kennenzulernen. Und umgekehrt konnten die beiden Geschäftsführer mit ihm einen potenziellen Nachfolger schätzen lernen. Da der Projektleiter des Instituts die Chance sah, sein Produktbaby selbst in den Markt zu begleiten und nach und nach weiterzuentwickeln, war damit der ideale Nachfolger fürs Unternehmen im technischen Bereich gefunden! Die im Projekt aufgebaute Vertrauensbasis war dafür ein entscheidender Faktor. Ein Glücksfall für ET!
  • Ein kaufmännischer Nachfolger konnte später im Bekanntenkreis des Projektleiters gefunden werden. Die Zukunft von ET schien damit gesichert zu sein. ET war jetzt viel attraktiver für Fachkräfte geworden und auch für Kunden.
  • ET hatte die ersten Schritte in die Zukunft getan. Durch geänderte Zielsetzungen waren die nächsten Schritte bereits in der Pipeline. Die Stimmung im Unternehmen konnte innerhalb von gut zwei Jahren zum Positiven gewendet werden.

 

 

 

Fazit

 

Zugegeben: Nicht jedes Projekt läuft so ideal ab. Aber die Chance dafür ist realistisch. Mittelständische Unternehmen können und müssen ihre Chancen in vielen Fällen besser wahrnehmen.  

 

Unsere Empfehlungen

 

  • Investieren Sie die Zeit von 3 Workshops
  • Erarbeiten Sie im ersten Workshop 3-5 Zielfelder
  • Entwickeln Sie für die erarbeiteten Zielfelder im zweiten Workshop Lösungsideen
  • Testen Sie im dritten Workshop die ausgewählten Ideen mit Hilfe einfachster Prototypen bei Anwendern. Dadurch vermeiden Sie kostspielige Fehlinvestitionen
  • Setzen Sie dann schrittweise je nach Größe Ihres Unternehmens die verbliebenen Lösungsideen im Rahmen von Innovationsprojekten um
  • Lassen Sie sich diese Projekte durch öffentliche Zuschüsse fördern. Wir beraten Sie hier auf reiner Erfolgsbasis
  • Wiederholen Sie den Zyklus alle 2 - 3 Jahre
  • Machen Sie so Ihr Unternehmen fit für die Zukunft!

 

 

 

Für die Analyse und für die Gestaltung und Erarbeitung eines erfolgversprechenden Geschäftsmodells wurde das winFORS-Modell genutzt, das in der folgenden Abbidlung dargestellt ist.

 

 

 

 

 

Abbildung: winFORS-Modell.

 

winFORS ist eine von Robert Silberhorn entwickelte und für ihn geschützte Marke. Das winFORS-Modell hat er als systemisches Management-Modell seit dem Jahr 2000 entwickelt, seither in vielen Projekten in der Praxis getestet und schrittweise verfeinert.

 

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